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ISSN 2193-2980

Sidonie Engels

„Weltsicht im Plural“ und „Ästhetik im Singular“. Review zu Ansgar Schnurr

Veröffentlicht am 30.01.2012

Ansgar Schnurr macht in seinem Beitrag „Weltsicht im Plural“ u.a. darauf aufmerksam, dass wir Kunstpädagogen womöglich den Schüler nicht ausreichend differenziert betrachten. Hieran lassen sich die Überlegungen Christian Demands anknüpfen, der sich angesichts immer wiederkehrender Muster bei der Präsentation von musealen Beständen die Frage stellt, nach welchen Prinzipien dort geordnet wird und wer die Auswahl trifft. Unter dem Titel „Ästhetik im Singular“ hatte Demand bereits im Jahr 2007 einen Großteil seiner Überlegungen im Rahmen der Tagung „Werk und Diskurs. Die Gegenwartskunst zwischen visueller Evidenz und Kommentarbedürftigkeit“ in Ljubljana vorgestellt. In seinem hierauf aufbauenden Buch „Wie kommt die Ordnung in die Kunst?“, auf das Franz Billmayer in seinem Beitrag „Shopping – Ein Angebot zur Entlastung der Kunstpädagogik“ verweist, zeigt Demand u.a., dass in der Kunstgeschichtsschreibung zuweilen die Vorstellung eines vermeintlich konsensuellen Rezeptionsgeschehens das Vorgehen und die Darstellung beherrsche (Demand 2010: 207). Dem Wir unserer Kultur entspreche der exemplarische Rezipient („man“); genauso der Betrachter, das Subjekt, das Publikum (ebd.: 206 f., 255).

Schnurrs Zweifel an der Allgemeingültigkeit eines jeweiligen kunstpädagogischen Blickwinkels überschneiden sich nicht nur mit Demands Zweifel an dem „vermeintlichen Einvernehmen einer Konsensgesellschaft“ (ebd.: 206), sondern ließen sich auch anknüpfen an die Zweifel der kritischen Kunsthistoriker wie Kunstpädagogen der späten 1960er Jahre gegenüber Gegenständen und Herangehensweisen. Sowohl in der Kunstpädagogik als auch in der Kunstwissenschaft wurde insbesondere in dieser Zeit der Fokus auf „Kunst“ erweitert, der Umgang mit Bildern neu gedacht und überdies die „Abnehmerschaft“ in den Blick genommen sowie Machtverhältnisse im Diskursfeld überprüft. Wie Schnurrs Beitrag zeigt, scheint es nach wie vor lohnend, hier genauer hinzuschauen.

Literatur

Billmayer, Franz (2011): Shopping – Ein Angebot zur Entlastung der Kunstpädagogik. In: online, Zeitschrift Kunst Medien Bildung | zkmb, Text im Diskurs, www.zkmb.de/index.php?id=73; Zugriff: 21.11.2011.

Demand, Christian (2007): Ästhetik im Singular: Wie kommt die Ordnung in die Kunst? In: online, VideoLectures.Net, videolectures.net/uid07_demand_ais/; Zugriff: 21.11.2011.

Demand, Christian (2010): Wie kommt die Ordnung in die Kunst? Springe

Schnurr, Ansgar (2011): Weltsicht im Plural. Über jugendliche Milieus und das „Wir“ in der Kunstpädagogik. In: online, Zeitschrift Kunst Medien Bildung | zkmb, Text im Diskurs, www.zkmb.de/index.php?id=42; Zugriff: 21.11.2011.

Zitiervorschlag

Sidonie Engels: „Weltsicht im Plural“ und „Ästhetik im Singular“. Review zu Ansgar SchnurrEin Review zu Ansgar Schnurr: "„Weltsicht im Plural“. Über jugendliche Milieus und das „Wir“ in der Kunstpädagogik". In: onlineZeitschrift Kunst Medien Bildung | zkmb 2012, http://zkmb.de/440; Zugriff: 22.07.2017

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