Übertrag. Kunst und Pädagogik im Anschluss an Karl-Josef Pazzini

In der Bildenden Kunst haben sich Menschen in historisch und kulturell unterschiedlichen Arten und Weisen einen besonderen Bereich der Bildung vor Bildern geschaffen. Karl-Josef Pazzini versteht Bildende Kunst immer auch als Forschung zur Verfassung und Beschreibung des Subjekts auf dem Weg zum Anderen und vom Anderen. Künstlerische Arbeiten werden in dieser Perspektive nach möglichen Auskünften über subjektive Bildungsprozesse, ihre Bedingungen und Dimensionen befragt und gleichzeitig als widerständige, störende, affizierende Dinge zum Anlass wieder anderer Bildung(en). Er hat diese These in seiner kunstpädagogischen Lehre und Forschung in der Konfrontation mit vielen Bildern und Kunstwerken erprobt, mit Theoretisierungen versehen und in den kunstpädagogischen Diskurs eingebracht. Das in 2015 erschienene Buch Bildung vor Bildern. Kunst – Pädagogik – Psychoanalyse zeugt davon.

Die Beiträge des hier vorliegenden Sammelbands befragen im Anschluss daran die theoretische Ausrichtung des Zusammenhangs von Kunst und Pädagogik. (Ehemalige) Studierende, Schüler*innen und Kollegen*innen von Karl-Josef Pazzini aus dem Feld der Kunstpädagogik reflektieren ihre individuellen Bezüge zu seinen Arbeiten und kalkulieren den Übertrag in die eigene Lehr- und Forschungsarbeit.

Inhalt

  • Karl-Josef Pazzini: Zufall
  • Torsten Meyer: Die Stimmung des 21. Jahrhunderts. Methodologische Einleitung
  • Silvia Henke: Reminiszenz und eine Erfahrung im Modus der Bildhaftigkeit
  • Kommentar von Sonja Andrykowski: Weitere Überlegungen zu Salla Tykkäs »Lasso« – Drei Perspektiven auf die Schnittstelle
  • Manuel Zahn: Bildschirme. Medienökologische Perspektiven auf das (in)dividuelle Phantasma in der aktuellen Medienkultur
  • Kommentar von Sven Scharfenberg: Ein Plädoyer für die Unterscheidung zwischen Objektivation und Dispositiv
  • Rahel Puffert: Vom Bild gelassen den Raum betreten
  • Kommentar von Stefanie Johns: Oszillierende Bildkondensate
  • Andrea Sabisch: Zwischen Bildern und Betrachter*innen . Wie Bilder uns ausrichten
  • Kommentar von Hans-Christoph Koller: Bild(ungs)theoretische Anregungen
  • Keike Mendt: Zwischenräumlicher Seh- und Denkversuch
  • Notburga Karl / Evelyn May: PPP
  • Kommentar von Andreas Brenne: „Die Kraft der Phantasie“
  • Susanne Gottlob: „Schlitterlogik“ ‒ Eine Geste von Außen? Aby M. Warburg und die Frage der Ellipse
  • Johannes M. Hedinger: Let’s get lost. Warum das Internet nicht den Untergang der abendländischen Kultur bedeutet und es uns zu kreativeren Menschen machen kann.
  • Kommentar von Pauline von Katte: We are lost – woher kommt die nächste Kunst?
  • Ole Wollberg: Bildungen des Ungewussten oder: How to do Anmut
  • Kommentar von Jasmin Böschen: Kollektives Ungewusstes in der künstlerischen Praxis
  • Joana Faria: Lehren mit Risiken und Nachwirkungen. Reflexionen zum psychoanalytischen Konzept der Nachträglichkeit im Kontext von Lehr-, Lern- und Bildungsprozessen
  • Kommentar von Janes Heuer: Erfahrungen wi(e)der Erwarten
  • Insa Härtel: Sichtbarmachung – Magie – Wunscherfüllung. Zwei Denkfiguren und ein Fernsehprogramm
  • Ute Vorkoeper / Tanja Wetzel: Eindringlich (nichts) sehen. Über das Öffnen »paradoxaler Aufenthaltsräume«
  • Kommentar von Bernadett Settele: Relationale Bildungen
  • Eva Sturm: ›und weiter: weil sie ohne die schwarzen nicht wissen, wer sie sind‹
  • Kommentar von Katja Hoffmann: An der Festung rütteln: Aufforderung zur Erschütterung
  • Gereon Wulftange: »Denn er wollte mich vielleicht fressen.«
  • Kommentar von Ole Wollberg: Phantastische Löwen-Väter – Gefahr im falschen Käfig
  • Karl-Josef Pazzini: Bildung vor Bildern. Pornographie als Bilddidaktik?
  • Kommentar von Daniel Wolff: Plastische Anwendung

Herausgegeben von Torsten Meyer, Andrea Sabisch, Ole Wollberg, Manuel Zahn

Veröffentlicht am 25. November 2017