Aktuell

Sammlungen

REZENSION: Wastelands? Kultur und Affekträume auf dem Land. Tracing cultural and affective places in rural areas

27. Oktober 2026
Die Publikation Wastelands? Kultur und Affekträume auf dem Land ist aus einem vom BMBF geförderten Forschungsprojekt hervorgegangen, das vier Jahre lang auf neue Weise in den Regionen Oderbruch, Friesland und Hohenlockstedt Landschaften erforscht hat. Dem Anspruch folgend „neue Wege, um unsere Geschichten in den heutigen Zeiten lebendig zu halten“, geht der zweisprachige Band der Frage nach, wie Landschaften in all ihren Schichten als affektives Geflecht darstellbar gemacht werden kann, „das von allen Arten von menschlichen und mehr-als-menschlichen Leben, Schönheit, Komplexität, Fülle und Hoffnung durchzogen ist“ (9).

REZENSION: Poesie, Heimat und Politik. Theater Willy Praml

27. Oktober 2026
Die gegenwärtige Auseinandersetzung mit ländlichen Räumen im Kontext Kultureller Bildung durch und mit Theater findet ihre ersten Anfänge in einer Zeit der Umbrüche, wie sie in den 1950er-Jahren bereits vorgezeichnet waren. Einher ging dies z.B. mit Landflucht und für etliche Zurückgebliebene mit der Aufgabe von Selbstständigkeit und Pendlerdasein. Willy Praml gehört zu jenen Theatermacher*innen, die zur Entwicklung in den 1970er und 1980er Jahren beigetragen haben, Theater in ländliche Räume zu tragen, Spurensuche zu betreiben, neue theatrale Formen zu erproben und die Spannungsverhältnisse an den Orten in historischer, politischer und kultureller Perspektive aufzugreifen. Eine Herausforderung für ein Dorf-Theater als Kulturarbeit lag dabei in der Beteiligung von Ortsansässigen, denen ermöglicht werden sollte, einen anderen Blick auf ihr Dorf, auf ihre Herkunft, auf ihre kulturellen Praktiken und Lokalgeschichten und auf die eigene Situation insbesondere für Jugendliche zur Frage „Abhauen oder Bleiben?“ zu erfahren.

REZENSION: Psst! Mit Stimme Theater machen

27. Oktober 2026
Unbestritten dürfte sein, dass der Stimme in pädagogischer wie auch künstlerischer Hinsicht eine zentrale Rolle zukommt. So fungiert sie nicht allein als Träger von Information, sondern hat in ihrer Sinnlichkeit und Materialität einen bedeutsamen Anteil an Kommunikation. Jede Stimme ist einzigartig und unverwechselbar. Sie ist mit dem Hören und unseren Hörgewohnheiten verbunden. Für die Theater- und Performancearbeit ist die Stimme ein unverzichtbares Gestaltungsmittel, das als Medium und Material zu einem situativen, ereignishaften und atmosphärischen Geschehen beiträgt. Dennoch wird die Stimmbildung in der Ausbildung eher vernachlässigt. An diesem Defizit knüpft das interdisziplinäre Team aus Stimm- und Sprechbildung, Theaterpädagogik und -wissenschaft in einem zwei-jährigen Projekt „Fokus Stimme – ein Methodenset für die Theaterpädagogik“ (2024–2026) unter der Leitung von Matthias Dreyer an der Hochschule für Musik und Rostock an. Gefördert wurde es durch die Stiftung Innovation in der Hochschule.

REZENSION: Zur Neuauflage der Publikation von Eva Sturm (2025): Im Engpass der Worte. Sprechen über moderne und zeitgenössische Kunst

11. September 2026
Die Neuauflage der schon lange vergriffenen Publikation „Im Engpass der Worte“ von Eva Sturm ist, auch 30 Jahre nach deren Erstveröffentlichung, ein grundlegender Beitrag zur theoretischen Rahmung zeitgemäßer (personaler) Kunstvermittlung. Die Aufforderung zum Sprechen macht das Buch in aktuellen Bildungsdiskursen zur Grundlage für die Suche nach Bedingungen einer Bildungsgerechtigkeit, die Lernen und Erkenntnis als offenen, individuellen und unabgeschlossenen Prozess versteht, indem Denken und Sprechen zusammengeführt werden. Eva Sturm gehörte zu jenen Kunstvermittler*innen, die mit ihren Texten dem Feld der aktuellen Kunstvermittlung eine grundlegende und nach wie vor zukunftsweisende theoretische Rahmung gegeben hat. In den 1990er Jahren entstanden griff sie zunächst neue Impulse der kritischen Kunstvermittlung auf und publizierte das vorliegende Standardwerk ausgehend von ihrer Dissertation, die von dem Kunstpädagogen und Psychoanalytiker Karl-Josef Pazzini betreut worden war.

Posthuman Entanglements in Art(s) Education. Zur Einleitung

23. Juni 2026
Mit den Begriffen „Posthuman“ oder „Posthumanismus“ wird ein Bündel verschiedenster Theorien und theoretischer Strömungen aufgerufen (vgl. Loh 2018; Hoppe 2022b). Ohne diese Theorien in ihrer Unterschiedlichkeit einebnen zu wollen, zielen sie alle auf eine kritische Neuverortung des Menschen in bzw. als Teil der Welt. Das Präfix „Post“ zeigt demnach die Überwindung eines humanistischen, anthropozentrischen Welt- und Selbstbildes an und gleichsam die Entwicklung eines dezentrierten, nicht-humanistischen Welt- und Selbstverhältnisses des Menschen (in Verschränkung mit nicht-menschlichen Anderen). In diesem dekonstruktiven Vorhaben schließen die posthumanistischen Theorien in Teilen an feministische, queere und poststrukturalistische Ansätze und Theorien an. Ähnliches gilt für Theorien, die mit dem Label des Neuen Materialismus versehen wurden (vgl. Hoppe/Lemke 2021). Hier muss jedoch betont werden, dass weder „Posthumanismus“ noch „Neuer Materialismus“ Selbstbezeichnungen waren bzw. sind, sondern dass die unter diesen Labeln zusammengebrachten theoretischen Positionen und Autor*innen in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen arbeiten und publizieren (vgl. Hoppe 2022b).

Historische und gegenwärtige Perspektivierungen von Leistung und Fähigkeit durch und im Kunstunterricht. Ein kaleidoskopischer Blick

19. März 2026
Im Beitrag wird anhand von historischen und empirischen Fallbeispielen rekonstruiert, wie leistungs- und fähigkeitenbezogene Wissensordnungen kunstpädagogisch hervorgebracht werden und hierüber ein Bild des zu Kreativität befähigten Kindes zeichnen. Dazu werden Begriffe in einem ersten Schritt aus kulturtheoretischer Sicht beleuchtet, um von hier aus historische und empirische Schlaglichter auf die Kopplung der Begriffe Fähigkeiten, Leistung und Kreativität in kunstpädagogischen Bildungsräumen zu werfen.

Die Rolle von Improvisation in der Ausbildung einer ästhetisch-performativen Sensitivität bei angehenden Kunstlehrer:innen

29. Dezember 2025
Der Beitrag fokussiert Improvisation als Kernkompetenz in forschungsbasierten Lehr-, Lernprozessen zur Ausbildung ästhetisch-performativer Sensitivität (ÄPS) in der kunstpädagogischen Lehrer:innenbildung. Improvisation wird als zukunftsorientiertes Prinzip verstanden, das Ungewissheit und Kontingenz produktiv nutzt und performatives, experimentelles sowie ko-kreatives Arbeiten ermöglicht. Am Beispiel des seit 2019 von Kira Hess laufenden Promotionsprojekts an der Universität Bremen wird empirisch untersucht, wie Improvisation als angewandte Methode, Modus des Handelns und strukturgebendes Merkmal Lehr-, Lern- und Forschungsprozesse erweitert und die Entwicklung einer ÄPS bei Lehramtsstudierenden fördert. Der Text versteht sich als Beitrag zur kunstpädagogischen Diskursbildung, indem er die Potenziale improvisatorischer Verfahren für Lehre und Forschung herausarbeitet und zeigt, dass Improvisation eine entscheidende Grundlage für die Ausbildung einer ÄPS als Schlüsselqualifikation bildet.

Kunstunterricht als Beitrag zu einem gelingenden Leben? Gesellschaftskritische Ansätze in der westdeutschen Kunstpädagogik zwischen 1970 und 1980

3. August 2025
Zwischen 1970 und 1980 wurden in der Geschichte der westdeutschen Kunstpädagogik erstmals verschiedene Zugänge zu populären und alltäglichen Phänomenen visueller Kultur abseits der Bildenden Kunst breit und vielfältig diskutiert. Als ausschlaggebend für die Ende der 1960er Jahre einsetzende Auseinandersetzung mit diesem neuen Themenfeld gilt Saul Paul Robinsohns 1967 erschienenes Buch Bildungsreform als Revision des Curriculums (Tewes 2018: 165). Robinsohn forderte darin die gesellschaftliche Relevanz fachlicher Inhalte im Unterricht und lieferte damit wichtige Impulse für die bestehenden Didaktiken insgesamt. Zur Debatte stand vor allem, „was von einem Schüler im Laufe seiner ‚Vollschulzeit‘ erfahren werden muß, damit er für ein mündiges, d.h. sowohl personell als auch ökonomisch selbständiges und selbstverantwortetes Leben so gut wie möglich vorbereitet sei“ (Robinson 1967: 46). Fachinhalte, so wurde gefordert, sollten insbesondere mit Blick auf eine emanzipatorische Entwicklung von Schüler*innen ausgewählt und aufbereitet werden.

Sammlungen

10. Juni 2026
Die vorliegende Sammlung Posthuman Entanglements in Art(s) Education stellt eine Erweiterung der bildungstheoretisch informierten Auseinandersetzung mit Alva Noës Ästhetik, im Anschluss an Ästhetik der Reorganisation (Kargin/Zahn 2025), dar, in dem sie ästhetische Erfahrungen in ihren postdigitalen, techno-humanen Verflochtenheiten in ästhetisch-künstlerischen (Bildungs-)Praktiken und Kontexten untersucht. Noës Denkfiguren der Organisation und Reorganisation bilden dabei ein Grundverständnis davon, wie die Situiertheit und Verkörperung menschlicher und nicht-menschlicher Existenzen als relational gedacht werden können. Die titelgebende Theoriefigur eines posthumanen Entanglements verweist daher, trotz ihrer unterschiedlichen Auslegungen beispielsweise bei Donna Haraway, Karen Barad, Rosi Braidotti oder Alva Noë, immer auf das komplexe Eingebundensein des Menschen in seine menschlichen, nicht-menschlichen und mehr-als-menschlichen Um- und Mitwelt(en). Am Phänomen der postdigitalen Umwelt, welche sich der Sichtbarkeit und Kontrollierbarkeit der Menschen in großen Teilen entzieht und die zunehmend autooperativer agiert, werden Aspekte dieses Entanglements seit den 1990er Jahren in den Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften extensiv untersucht. Die Beiträge der vorliegenden Sammlung knüpfen an diese Theorietraditionen wie -perspektiven an und erweitern sie, indem sie verschiedene Formen des Entanglements in ästhetisch-künstlerischen (Bildungs-)Praktiken thematisieren und diskutieren. Sie decken dabei eine weite Spanne unterschiedlicher medialer, postdigitaler Phänomene (z. B. Smartphone-Film, TikTok Performances, KI-Kunst, Biosonifikation, Interspecies Music) sowie disziplinäre Zugänge (z. B. ästhetisch, künstlerisch, erziehungs-, medien- und kulturwissenschaftlich sowie forschungsmethodologisch u.a.m.) im Schnittfeld von Kunst, Medien und Bildung ab und machen damit diese Denkfigur für ästhetisch-künstlerische, kunstpädagogische oder forschende Praxen zugänglich.
17. November 2025
Bildsituationen umfassen mehr als zeitliche, räumliche, institutionelle, mediale, historische und kulturelle Kontexte, in welche Bilder eingelassen sind. Sie sind epistemisch bedeutsam, weil sie uns anders ausrichten und positionieren können, noch bevor wir aktiv auf sie Bezug nehmen. Sie sind der Bildlichkeit vorgängig und doch nicht von ihr zu trennen. Sie überschreiten den Horizont des aktuell Gesehenen und akzentuieren eine Rahmung, die sich auf Gegenwärtiges bezieht und es im selben Zuge an Abwesendes, Latentes und Imaginäres bindet. Bildsituationen involvieren uns dementsprechend nicht allein visuell, sondern synästhetisch, leibhaft und performativ.
6. August 2025
Narratives ist seit jeher zentral für die menschliche Welterschließung – es verknüpft Kulturen, überdauert Zeit und Raum und prägt unser Verständnis von Wirklichkeit. In der Postdigitalität stellen sich nun Fragen danach, wie digitale Technologien und Künstliche Intelligenz das Narrative verändern. Wer bestimmt, welche Geschichten erzählt werden und wie erzähle ich mich selbst in einer komplexen Welt? Dieser Band versammelt in sieben Kapiteln transdisziplinäre Beiträge, die sich entlang der Denkfiguren Bildung, Geschichte/n und Doings bewegen und dabei neue Perspektiven auf postdigitale Narrative eröffnen.